Kontroverse um den Müggelsee

Schutzgebietsausweisung schlägt hohe Wellen

Müggelspree - Müggelsee
Müggelspree - Müggelsee

Worum geht es?

Der Müggelsee wurde im Jahr 2002 als Flora Fauna Habitat (FFH) und Vogelschutzgebiet (Special Protection Area - SPA) an die EU gemeldet und hätte bis 2013 rechtlich als Landschafts- oder Naturschutzgebiet gesichert werden müssen.

Als die EU im Jahr 2014 gegen Deutschland ein Vertragsverletzungsverfahren einleitete, wurde auch das Land Berlin aktiv. Die Senatsverwaltung ging mit falschen FFH-Gebietsgrenzen ins Verfahren, und die geplanten Naturschutzgebiete wurden im Laufe des Verfahrens auf Druck der Wassersportverbände und von Anliegern am Müggelsee stark verkleinert. Der Schutz wichtiger Wasservogelrastflächen soll nun durch freiwillige Vereinbarung mit der Wassersportkommission des LSB gewährleistet werden.

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Verordnung über das Gebiet zum Schutz der Landschaft des Müggelsees und des Fredersdorfer Mühlenfließes und über das „Naturschutzgebiet Müggelsee/Fredersdorfer Mühlenfließ“
VO Müggelsee Stand 17.01.2017.pdf
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§ 8

Zulässige Handlungen


Das FFH-Gebiet Müggelspree-Müggelsee (schraffiert) mit geplantem LSG (in grün) und NSG (in Orange).
Das FFH-Gebiet Müggelspree-Müggelsee (schraffiert) mit geplantem LSG (in grün) und NSG (in Orange).
Detailkarte mit den Bänken und Kleinem Müggelsee
Detailkarte mit den Bänken und Kleinem Müggelsee

Die Senatorin Regine Günter sprach von einem „Kompromiss, der die Belange des Naturschutzes und die Interessen der Er- holungssuchenden und Sporttreibenden integriert“. Der NABU Berlin begrüßt die grundsätzliche Einigung, hat die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz aber aufgefordert, die angestrebte freiwillige Vereinbarung mit den Wassersportverbänden vor Unterzeichnung der Schutzgebietsverordnung auszuhandeln. Zudem erwartet der NABU Berlin verbindliche Zusagen für die zeitnahe Novellierung des Fischereigesetzes.

 

„Erfreulicherweise ist die Senatorin unserer Forderung nachgekommen, die unkorrekte Darstellung der Grenzen des europarechtlich geschützten Müggelsees in den Planunterlagen zu korrigieren. Die Idee, die freiwillige Vereinbarung zum Verzicht
auf Befahrung der Wasservogelrastgebiete mit den Wassersportverbänden erst nach Unterzeichnung der Schutzgebietsverordnung abzuschließen, kann uns aber nicht zufriedenstellen“, betont Rainer Altenkamp, 1. Vorsitzender des NABU Berlin.
Außerdem fordert der NABU Berlin eine verbindliche Zusage für ein jährliches Monitoring, mit dem die Einhaltung der Vereinbarung sowie die Entwicklung der Rastvogelbestände und der geschützten Fisch- und Muschelarten beobachtet werden können.
Auch für die versprochene Änderung des Fischereigesetzes fordert der NABU Berlin eine verbindliche Zusage, da die Verwaltung erst über diese Novellierung den Schutz des gefährdeten Fischotters regeln will. Bis dahin wird es in Berlin weiterhin erlaubt sein, Fischreusen auszulegen, in denen der Fischotter ertrinken muss - auch im Müggelsee.

Während die Wassersportverbände sich gegenüber dem Kompromissvorschlag offen zeigen, lehnt der Bezirkssportbund Treptow-Köpenick (BSBTK) den ausgehandelten Kompromiss „grundsätzlich ab." Die Senatsverwaltung ist den Freizeitnutzern am Müggelsee mit dem Kompromissvorschlag bereits stark entgegen gekommen. "Falls es hier nicht zu einer Vereinbarung kommt und keine Schutzgebiete ausgewiesen werden, muss für jede wassersportliche Veranstaltung eine FFH-Verträglichkeitsprüfung vorgenommen werden", gibt Altenkamp in Richtung des BSBTK zu bedenken.

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Wassersport in Berlin vor dem Hintergrund der wachsenden Stadt und zunehmender Umweltschutzregeln absichern
Sportausschuss Abgeordnetenhaus 5.5.2017
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Quellen: Natur in Berlin 2.17 (NABU), BSBTK