Mit dem Achter zur U23-Weltmeisterschaft

In dieser Saison wollte ich mir endlich meinen Traum erfüllen und die Nominierung zur U23-WM schaffen. Alle privaten Termine, sogar der Familienurlaub wurde danach ausgerichtet, es musste also klappen!

Aber es ist ein langer Weg, beginnend im April mit der Langstrecke und dem Ergotest in Leipzig, diversen Pflichtregatten und vor allem den zwei Kleinboot-überprüfungen in Essen und Ratzeburg.

Aufgrund meiner Vorleistungen wurde ich bei der Verteilung der Zweierpartnerinnen von der Bundestrainerin berücksichtigt und mit einer Sportlerin aus Dresden ins Boot gesetzt. Trotz der räumlichen Entfernung konnten wir ein paar Mal gemeinsam trainieren und schlugen uns bei der Langstrecke als 2. U23 Boot mehr als wacker. Wichtiger aber war dort der 2000 m-Ergotest, bei dem ich mit 6:43,0 min nicht nur deutlich die WM-Norm fuhr, sondern auch alle anderen Riemerinnen hinter mir lassen konnte.

Auch bei der 1. Kleinbootüberprüfung konnten wir uns im Vorderfeld platzieren. Allerdings wurde danach festgelegt, dass ich eine neue Zweierpartnerin bekomme, weil meine Partnerin aus Dresden die WM-Norm knapp verpasst hatte. Ohne eine einzige Trainingseinheit ging es dann zur 2. KBÜ nach Ratzeburg, wo wir mit einem dritten Platz sehr zufrieden waren und endgültig unser WM-Ticket gelöst haben.

Bei einem 5-tägigen Lehrgang mit vielen Messbootfahrten und unterschiedlichen Kombinationen wurde letztendlich die Bootsbesetzung zur WM bekanntgegeben. Da die besten Ruderinnen in den Achter gesetzt wurden, hofften natürlich alle auf einen Platz in dieser Bootsklasse. Ich war glücklich und stolz, im Achter sitzen zu dürfen.

Bereits bei den Deutschen Meisterschaften in Köln fuhren wir in dieser Besetzung und konnten mit großem Abstand den Titel gewinnen. Auch im Vierer mit Steuermann wurde ich dort Deutsche Meisterin.

Bereits 2 Tage später ging es für 4 Wochen zur UWV nach Ratzeburg. Bei mehreren Trainingseinheiten pro Tag holten wir uns den letzten Feinschliff für die WM und wuchsen zu einer Mannschaft zusammen. Dann endlich war es soweit. Direkt von Ratzeburg aus fuhren wir mit der gesamten deutschen Mannschaft nach Poznan. Wir absolvierten ein paar Trainingseinheiten auf der wunderschönen Regattastrecke auf dem Maltasee, wobei wir von etlichen Trainern anderer Nationen beobachtet wurden.

Beeindruckend war die Eröffnungsfeier mit allen teilnehmenden Nationen, bevor es endlich losging. Bereits in unserem Vorlauf mussten wir gegen alle Medaillengewinner des letzten Jahres antreten. Nachdem wir da nur knapp den direkten Einzug ins A-Finale verpasst hatten, konnten wir uns einen Tag später im Hoffnungslauf souverän den Sieg und den erhofften Finalplatz holen.

Motiviert und konzentriert fuhren wir dann im A-Finale ein tolles Rennen. Im direkten Kampf um die Medaillen fehlte unserem Achter am Ende ein Quäntchen Glück und somit verpassten wir das Treppchen um 0,9 Sekunden.

Trotzdem war für mich der 5. Platz im A-Finale ein super Ergebnis und die WM-Teilnahme mit den vielfältigen Eindrücken der krönende Abschluss meiner bislang besten Saison.

Christin Stöhner